Die Naturräume des Kreises Höxter – wertgebende Lebensräume und Arten
Im folgenden möchten wir einen Überblick über die wertgebenden Lebensräume und Arten der verschiedenen Naturräume des Kreises Höxter geben.
Am Ende eines jeden Abschnitts findet sich eine ausführlichere Beschreibung des jeweiligen Landschaftsraums als pdf-Download.

Die Landschaften zwischen Egge und der Weser sind in weiten Bereichen gut durch Gehölzstrukturen, artenreiche Wälder und Grünlandbestände gekennzeichnet. Der Strukturreichtum kommt den Habitat Ansprüchen des Rotmilans, ein europäischer Endemit, entgegen. Er ist mit rund 120 Brutpaaren vertreten und ist geradezu der Charaktervogel des Kreises Höxter. Landesweit hat der Rotmilan hier einen Verbreitungsschwerpunkt. Aktuell gehen durch die Windkraftplanungen potenzielle Gefahren für den Rotmilan aus, der als schlaggefährdet gilt. Um negative Auswirkungen für die Population zu vermeiden oder zu verringern sind Maßnahmen insbesondere zur Verbesserung der Nahrungsverfügbarkeiten außerhalb der Windparks zu realisieren.

Die Windkraft (und die PV-Anlagen) beeinträchtigt weiterhin das gewachsene, weitgehend von der Landwirtschaft geprägte Landschaftsbild, in dem es durch die weit sichtbaren technischen Anlagen „industriell“ überprägt wird. Von dieser Entwicklung sind alle Naturräume betroffen.

Pölinxer Wiesengrund, Südrand des Eggegebirges – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Die westliche Grenze des Kreises Höxter wird durch den markanten Gebirgszug der Egge markiert. Die von Süd nach Nord ziehende Gebirgskette stellt einen bundesweit wichtigen Waldbiotopverbund dar. Die Wälder sind Rothirschgebiet und verbinden die Populationen der Wälder des Rothaargebirges mit denen der Senne. In der südlichen Egge befindet sich ein EU-Vogelschutzgebiet, entlang des Gebirgszuges befinden sich zahlreiche FFH-Gebiete und NSG sowie Wildnis-gebiete. In den ausgedehnten Wäldern sind z. B. Wildkatze, Uhu , Wanderfalke, Schwarzstorch, Grauspecht und zahlreiche Fledermausarten heimisch. Die Egge ist ca.40 km lang, erreicht Höhen von 350 bis 450 m ü. NN. sowie eine mittlere Breite von 3 – 5 km. Aufgrund der Süd-Nord-Erstreckung der Egge regnen sich die von Westen über das Norddeutsche Tiefland heranziehenden Wolken als Steigungsregen ab. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt daher bei über 1000 mm pro Jahr.
Insbesondere im mittleren Bereich der Egge kommt es in Senken und Mulden infolge der hohen Niederschläge stellenweise zu Vermoorungen, wie z. B. im Bereich des Torfbruchs, im Eselsbett oder im Schwarzen Moor östlich von Lichtenau. Dort haben sich kleine Hochmoore ausgebildet, in denen nach Entwäs-serung der Torf abgebaut wurde.
Von Westen aus steigt der Gebirgszug sanft an, um dann am Kamm, der zumeist als schmaler Rücken ausgebildet ist, nach Osten recht steil abzufallen. Geologisch ist die Egge, aufgrund ihrer Lage in einer Verwerfungszone recht heterogen aufgebaut. Verschiedene Gesteine des Mesozoikum (Trias, Jura und Kreide) finden sich hier in unmittelbarer Nachbarschaft.
Die natürliche Waldbedeckung der Egge setzt sich durch unterschiedliche Ausprägungen der Buchenwälder zusammen und bildet einen geschlossenen Wald-korridor, der die südlichen Wälder des Sauerlandes/Rothaargebirges mit denen des Teutoburger Waldes verbindet.

Buchenwald – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Kleinflächig finden sich hier auch Erlen- oder Birkenbrücher, sowie Eichen-Mischwälder, die z. T. vom Menschen im Rahmen traditioneller landwirtschaftlicher Nutzungengefördert wurden. Bis in die jüngste Vergangenheit dominierte jedoch in weitläufigen Beständen die Fichte das Waldbild. Aufgrund von Käferkalamitäten und Sturmschäden ist sie im großen Umfang auf ca. 40 % der gesamten Waldfläche abgestorben, so dass vor allem an der Westabdachung und im Warburg Wald große Freiflächen entstanden sind. Diese werden nunmehr überwiegend mit Mischwaldbeständen aufgeforstet oder, zum geringeren Teil, der natürlichen Sukzession überlassen.
Als geologische Besonderheiten ist der überwiegend aus Sandsteinen gebildete Grad am Eggekamm zu nennen, der über längere Strecken als markante Felsformation auf einer Gesamtlänge von rd. 40 km in Erscheinung tritt.
Im Bereich der Ost-Abdachung entspringen viele Quellen (unter anderem die Emmer- und die Nethequelle), die überwiegend nach Osten entwässern und dort für feuchte bis nasse Standorte sorgen.
Entlang des Eggezuges finden sich zudem einige Steinbrüche und einzelne Hangrutschungen, die verschiedene Amphibienarten, wie die Geburtshelfer- oder die Kreuzkröte, beheimaten aber z.B. auch von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werden. Weiteren Lebensraum für Amphibien bieten insbesondere auch die vereinzelten Erdfälle (z. B. Erdfall am Klusenberg), die z. T. mit Wasser gefüllt sind (z. B. Schwarzer Pfuhl). Eine Charakterart der Egge ist der Feuersalamander, der in den Bachoberläufen und schattigen Kleingewässern seien Larven absetzt. Die im Süden liegenden Quellbäche, die sich in sauberen Bachoberläufen fortpflanzen sowie das z.T. anliegende extensiv genutztes Grünland mit Heideresten und zahlreichen Kleingewässern sind Lebensraum für eine artenreiche Amphibien-, Teichmuschel- und Libellenfauna.
Die Egge war im 19. Jahrhundert weitgehend entwaldet. Die freien Flächen waren von Hochheiden bedeckt und wurden beweidet. Mit der Wiederaufforstung verschwanden die Heideflächen fast vollständig. Größere Bestände finden sich noch im Norden im Bereich des Lippischen und Preußischen Velmerstot.

Preußischer Velmerstot, nördliche Egge – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
An kulturhistorisch bedeutenden Gebäuden sind die Iburg bei Bad Driburg, der alte, jetzt zum Teil mit wassergefüllte Bahnstollen bei Willebadessen (im angrenzenden Kreis Paderborn), die Stadtwüstung Blankenrode (ebenfalls im angrenzenden Kreis Paderborn), die Karlsschanze bei Willebadessen, der Aussichtsturm „Bierbaums Nagel“ bei Borlinghausen und das ehemalige Kloster Hardehausen mit Park, Teichen und der alten Klosternmauer zu nennen. In Nachbarschaft zum ehemaligen Kloster liegt der Hammerhof, in dem sich ein Waldinformationszentrum befindet.
Das östliche Eggevorland befindet sich in der gleichen Verwerfungszone wie der Eggekamm. Das bedeutet, dass auch hier unterschiedliche Gesteinsformationen in direkter Nachbarschaft anzutreffen sind. Muschelkalk und Trochitenkalke wechseln sich mit Mergelsteinen, Buntsandsteinen und Lettenkeuper ab.
Das östliche Vorland präsentiert sich als eine hügelige Landschaft, die im Norden eine Breite von 5 – 6 km erreicht. Im Süden verjüngt es sich auf im Mittel 2 – 3 km Breite. Aufgrund der direkten Nachbarschaft zur Egge sind die Niederschläge mit ca. 1000 mm/a hoch.
Der nördliche Teil des Eggevorlandes ist abwechslungsreich und durch einen bunten Wechsel von offenen Mulden und Tälern, in die bewaldete Hügel und Berge eingestreut sind, gekennzeichnet. Heute dominiert die ackerbauliche Nutzung in den Mulden und Tälern. Grünland findet sich in vor allem in Hanglagen und auf feuchteren Standorten.
Als geologische Besonderheit sind Dolinen zu erwähnen, z. B. das Wintruper Dolinenfeld.
Auf den Hügeln und Bergen finden sich Kalk-Buchenmischwälder, in den Hanglagen zum Teil artenreiches, extensiv genutztes Grünland. Die in den feuchten Bereichen der Täler und Mulden anzutreffenden Kleingewässer beheimaten z. T. individuenreiche Amphibienbestände.
An kulturhistorisch Interessanten Gebäuden ist das Schloss Vinsebeck und Schloss Merlsheim zu nennen. Letzteres beherbergt im Dachstuhl eine große Population des Großen Mausohrs.
Nach Süden ist die Landschaft ebenfalls durch einen Wechsel von weiten ackerbaulich genutzten Mulden und Becken sowie von dazwischenliegenden, einzelnen höheren Erhebungen mit natürlicher Bewaldung gekennzeichnet. Grünland findet sich an den Hängen der Egge.
Im Driburger Land entspringen zahlreiche Mineralquellen. Die Gewässer fließen der Aa zu, die nach Osten hin entwässert. Ihr Gewässerlauf ist im Bereich des NSG naturnah ausgeprägt. Das artenreiche Grünland ist zum Teil sehr feucht und weist gute Sumpfdotterblumen- Bestände auf.
Touristisch interessant ist der Kurpark von Bad Driburg und das Buddenberg Arboretum am Steinberg. Am nördlich benachbarten Rosenberg findet sich eine Graureiherkolonie.
Nach Süden hin finden sich von Neuenheerse bis nach Dringenberg, sowie rund um Willebadessen und im Bereich der Eggequelle große zusammenhängende, z. T. artenreiche Grünlandflächen, sowie Halbtrockenrasen und feucht bis nass ausgeprägte Grünlandbestände. Insbesondere im Bereich des Gradbergs finden sich zudem bedeutende Orchideenbestände. An das Hügelland schließt sich die in nord-südlicher Richtung verlaufende Borlinghauser Senke an. Die zur Vernässung neigenden Niederungen tragen Grünland. Zwischen Borlinghausen und Bonenburg wurden und werden Tone für die Ziegelherstellung abgebaut. Dort bilden sich Tümpel und Teiche als potenzieller Lebensraum für hochgradig gefährdete Arten.

Tongrube Bonenburg – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Noch weiter im Süden ist die Landschaft geprägt von schmalen Hügel- und Bergrücken. Es dominieren Buchenmischwälder. Weiter westlich finden sich fast ebene oder sanft geneigte, flachwellige Hochflächen sowie steile Berge und Rücken, in die sich schmale Täler tief eingeschnitten haben.
Im östlichen Eggevorland liegen mehrere Gebiete zum Schutz der Natur, wie der “Gradberg”. Besondere Bedeutung für den Naturschutz haben auch die nicht bewaldeten Bereiche als relativ extensiv genutzte Lebensräume der Pflanzen- und Tierwelt des Offenlandes und als Teillebensräume der schutzwürdigen Fauna des Gebietes.
Die zum Gebiet der nördlichen Egge gehörenden zahlreichen Quellen und Bäche im Norden der Landschaft mit Bruch- und Auwäldern sowie die Quell- und Oberlaufbereiche von Emmer und Nethe mit Magerweiden, Kalkhalbtrockenrasen und Kalk-Flachmooren gehören ebenfalls zu den schutzwürdigen Flächen.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Egge und Eggevorland.
Das Holzmindener Wesertal durchzieht die Rötzone des östlich anschließenden Buntsandsteingewölbes des Sollings als breites Tal, in dem die Weser in weiten Mäanderbögen Richtung Norden fließt. Auenlehme und lößüberdeckte Schotterterrassen bedecken die Talung, die sich gegen den Buntsandstein des Solling im Osten und die Muschelkalk-Hochflächen des Oberwälder Landes im Westen abgrenzt. Die Grenzen dieser Talung sind gegeben durch den Steilabfall der Muschelkalkhochflächen im Westen (z. T. in markanten Felsformationen wie den Rabenklippen) und den überwiegend flacher verlaufen Anstieg des Sollings im Osten. Der Talraum wird von feinkörnigen oder grobkörnigen jungen Ablagerungen eingenommen, die häufig von dicken Lößschichten bedeckt sind. Unterhalb dieser Schichten finden sich vielerorts Kiesablagerungen, die seit rund 100 Jahren abgebaut werden.

Wesertal Rabenklippen – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Nur in den tiefgelegenen Partien der Weseraue, den feuchten, von anmoorigen Auelehmen erfüllten Altwasserrinnen und gewässerbegleitend findet sich Grünland. Die übrigen Teile der Talaue werden intensiv ackerbaulich genutzt. Auwälder finden sich kaum noch. Lediglich im Taubenborn bei Höxter sind sie noch kleinflächig anzutreffen
Die Weser stellt sich heute als durchgehend befestigte und teilweise begradigte Schifffahrtsstraße dar. Die hochwüchsigen Ufersäume sind Lebensraum von Rohrammer, Sumpfrohrsänger und Grasmücken. Weiterhin findet sich hier das seltene Fluss-Greiskraut. Kleine Kiesbänke als Relikt der natürlichen Auen sind unterhalb von Fürstenau und im Weserknie bei Corvey anzutreffen. Der Bewuchs entlang der Weser ist lückig ausgeprägt.
Artenreiche Grünlandbestände sind v. a. im Taubenborn bei Höxter, nördlich und südlich von Lüchtringen und im Bereich der Lake bei Würgassen anzutreffen.
Die Baggerseen und Kleingewässer haben die Weseraue in Teilen in eine Seenlandschaft verwandelt, die einer Vielzahl amphibischer und aquatischer Lebewesen als Lebensraum dient. Für Amphibien und Libellen ist der Taubenborn von besonderer Bedeutung. Die Weseraue wird durchgehend von Ringelnattern besiedelt – der Bereich stellt das bedeutendste Rückzugsgebiet der Art in OWL dar. Die Seen sind weiterhin Lebensraum für Wasservögel und werden zur Zugzeit von zahlreichen Durchzüglern als Rastplatz genutzt. Die beim Abbau entstehenden steilen Abbaukanten und Freiflächen dienen Uferschwalben und Flußregenpfeifern als Ersatzlebensräume für die nicht mehr existenten, ursprünglichen Lebensräume einer natürlichen Flußaue. Seit rund 10 Jahren ist der Biber wieder im Wesertal heimisch geworden und der Fischotter wird zunehmend beobachtet.
Die Godelheimer Seen und ein Teil der Seen bei Lauenförde sind der Freizeitnutzung gewidmet.
Aus kulturhistorischer Sicht ist das Weltkulturerbe Kloster Corvey, das Schloss Wehrden und das oberhalb der Weser gelegene Schloss Fürstenau zu erwähnen. Im Bereich von Corvey befindet sich ein sehr alter Eichenbestand, der Lebensraum des Hirschkäfers darstellt.
Östlich der Weser finden sich außerhalb der Weseraue bei Würgassen die Hannoversche Klippen, die in eine sehr alten Eichen-Buchenwald eingebettet sind und mit dem Weser- Skywalk einen sehr schönen Ausblick auf die Weseraue bietet. Die Felsformationen der Hannoverschen Klippen und des Kathagenbergs bei Fürstenberg sind Lebensraum der Schlingnatter und Ringelnatter und bieten Uhu und Wanderfalken geeignete Brutplätze.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Holzmindener Wesertal

Beerenbruch – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Das Löwendorfer Hügelland grenzt westlich an das Steinheimer Becken an. Es handelt sich um eine schwach wellige bis hügelige Mittelgebirgs-Hochfläche mit durchschnittlichen Höhenlagen zwischen 270 m und 310 m. Die Hochfläche fällt nach Westen mit z.T. markantem Geländesprung im Bereich des Kloster Marienmünster in das Steinheimer Bördebecken, sowie nach Norden bzw. Nordwesten ab. Nach Osten und Süden grenzt es an das Oberwälder Bergland an, das nach Süden von Tälern stärker zergliedert ist. Der geologische Untergrund ist aus weicheren Ton- und Mergelsteinen, aber auch Kalk-, Dolomit- und Sandsteinen aufgebaut, die meist von geringmächtigen Löss-Ablagerungen oder Fließerden überdeckt sind.
Der östlich angrenzende Köterberg stellt mit 456 m Höhe die höchste Erhebung der Kreise Lippe und Höxter dar. Den Berg teilen sich die Kreis Lippe, Holzminden und Höxter.
Infolge der verhältnismäßig hohen Niederschläge sowie des vielfach nur gering bis mäßig wasserdurchlässigen Untergrundes ist das Löwendorfer Hügelland relativ reich an Quellbächen. Diese entwässern entsprechend der Geländemorphologie wechselweise in östliche (Saumer), südliche (Grube) oder westliche Richtung (Niese, Brucht). Die Bäche sind meist als Wiesentäler ausgeprägt. Als eine geologische Besonderheit sind die, am Oberlauf der Grube, liegenden Bachschwinden zu nennen. Aufgrund der Verkarstung des Untergrundes verläuft der Bach hier auf Teilstrecken unterirdisch.
Die zentralen Bereiche werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt, nur in den Randbereichen finden sich größere Waldflächen. In der Landschaft liegende Grünlandparzellen und Mergelkuhlen strukturieren das Offenland. Der größte geschlossene Waldkomplex liegt im Westen rund um das ehemalige Kloster Marienmünster und die benachbarte Oldenburg. Hier finden sich Buchen- und Buchenmischwälder. Ein weiteres größeres Buchenwaldgebiet liegt zwischen Köterberg und Fürstenau (Meinte, Mönchsberg). Nördlich von Kollerbeck greift der im Kreis Lippe liegende Schwalenberger Wald auf das Kreisgebiet Höxter über.
Aus kulturhistorischer Sicht ist das in landschaftlich reizvoller Lage gelegene Kloster Marienmünster hervorzuheben. Bis vor wenigen Jahren befand sich im ehemaligen Kloster eine große Mausohrkolonie, die aktuell erloschen ist. Auf dem benachbarten Hungerberg bietet der Hungerbergturm eine hervorragende Aussicht.
Größere Windparks prägen heute die Hochfläche zwischen Fürstenau und Großenbreden.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Löwendorfer Huegelland
Die bis 350 m ü. NN liegenden Hochflächen des vom Muschelkalk geprägten Nieheim-Brakeler Berglands werden von zahlreichen Tälern eingeschnitten und verfügen über relative breite Sohlen. Dies intensive Zertalung ist charakteristisch für diese Landschaft. Die Böden sind hier sehr unterschiedlich. Insbesondere die Hochflächen, die breiteren Talauen und die Talhänge sind von Ackerland bedeckt, jedoch gibt es auch zahlreiche große (z. B. Hinnenburger Forst mit Emde, Abbenburger Forst oder der Brakeler Stadtwald) und im südlichen Teil kleinere Wälder, die die Bergkuppen und oberen bzw. steileren Talhänge bekleiden und meist noch den natürlichen Waldgesellschaften zuzuordnen sind.
Das NSG Königsblick weist reiche Bestände der Türkenbundlilie auf.
Artenreichen Grünlandbestände und kleine Halbtrockenrasen finden sich an den Hängen des Nethetals und der Nebenbäche (z. B. Kuhkamp, zwischen Fölsen und Willebadessen, Riesenberg bei Schmechten, Schmandberg bei Bellersen, Istrup oder am Hamberg bei Riesel). Die vorhanden Fichtenforste sind weitgehend abgängig.
Ausgedehntere, z. T. artenreiche Grünlandbestände finden sich weiterhin z. B. in der Netheaue bei Ottbergen, Brakel, Hembsen und südlich Siddessen, im Taufnethe- sowie im Ösetal und rund um Helmern. Teile des Grünlandes werden vom Streuobst überschirmt, nördlich vom Gehrden findet sich ein ehemalige Hude mit uralten Eichen. Am Schmandberg bei Bellersen wurde vor 25 Jahren ein neuer Hudewald begründet, der nach dem Aufwachsen der Bäume nunmehr beweidet wird. Weitere artenreiche Grünlandbestände sind rund um Erkeln lokalisiert (z. B. der Hartheiser Berg). Am Westhang von Dringenberg und Langenberg bei Borlinghausen finden sich reich strukturierte Grünland-Gebüschkomplexe. Nördlich von Alhausen befindet sich eine Rinderweide, die Wuchsort der größten Orchis morio-Population Westfalens ist.

Ottbergen Stockberg, Blick in die Landschaft – Foto: Anja Multhaup
Die Täler im Westen des Oberwälder Landes sind zur Nethe ausgerichtet. Bei Brakel münden als weitere größere Gewässer die Aa und die Brucht in die Nethe, die von dort aus ostwärts fließt, um dann bei Godelheim in die Weser zu münden. In grundwassernahen oder zeitweilig überschwemmten Talsohlen finden sich Reste von eschen- und ahornreichen Auewäldern. In den breiteren Tälern der größeren Gewässer (Nethe, Aa, Brucht) wird überwiegend Ackerbau betrieben Das Grünland ist dort auf dort meist auf feuchtere Standorte beschränkt. Kopfweiden sind in Teilbereichen noch charakteristisch. Nördlich von Istrup verläuft der Escherbach, der aufgrund der Kalksinterbildung für die Region einzigartig ist. Im benachbarten Tiggesgrund findet sich ein Kalkquellsumpf, dem es aber seit einigen Jahren an Wasser mangelt.
Aus kulturhistorischer Sicht sind die ehemaligen Musterdörfer Bellersen und Bökendorf, das Schloss Rheder mit Schlosspark und Weidenpalais, das Schloss Holzhausen (beherberg eine große Wochenstube des Große Mausohrs) und das Schloss Gehrden zu nennen.
Ein große Graureiherkolonie befindet sich zwischen Rheder und Siddessen.
Nach Nordosten lösen sich im Bereich der benachbarten Fürstenauer Berge, die auf 250 bis 350 m Höhe liegen, die Kalkplatten auf. Braunerden sind dort dominierend. Die großen Wald-Komplexe sind der Brakeler Stadtwald, das Heiligen-Geister-Holz, der Corveyer Forsten mit Herbstberg und die Hangwälder zum Wesertal. Die vorherrschende Waldvegetation ist der Buchenwald. Die vorhandenen Fichtenforste sind weitgehend abgängig.
Markante Felsformationen finden sich im Bereich der Hangwälder zur Weser hin (z. B. die Rabenklippe am Ziegenberg). Artenreiches Grünland findet sich v. a. auf der Bosseborner Hochfläche, um Altenbergen, um Ovenhausen und Brenkhausen.
Aus kulturhistorischer Sicht ist die Tonenburg zu nennen.
Im Südosten der Oberwälder Landes befinden sich die Beverplatten, deren etwa 250 m hoch gelegenen Muschelkalkplatten durch tief eingeschnittene Täler intensiv zerlappt sind. Die Gewässerläufe (als größtes Gewässer die Bever) entwässern zur Weser hin. Der Waldanteil ist recht hoch. Die bedeutendsten Bestände liegen an den Steilhängen zum Wesertalung, um Dahlhausen und südöstlich von Erkeln. Es handelt sich überwiegend um Buchenwalder. Aufgrund der abgängigen Fichten sind auch hier größere Blößen oder Neuaufforstungen im Bereich im Beverungen und südlich von Dalhausen anzutreffen.
Die Hochflächen bei Drenke, Tietelsen, Jakobsberg, Haarbrück und Manrode werden überwiegend ackerbaulich genutzt und weisen kaum gliedernde Strukturen (Hecken, Säume) auf. Die Hänge zur Nethe hin nehmen lokal größere Flächenanteile ein und sind Rückzugsgebiete für zahlreich gefährdete Arten. Im Bereich der Halbtrockenrasen finden sich bei Jakobsberg (Heidkämpe) als Elemente der traditionellen Kulturlandschaft zahlreiche Lesesteinhaufen und Trockenmauern. Südlich von Hembsen finden sich noch zwei bedeutende Magerrasen, der Schmandberg und die Hausstelle, die große Bestände des Kreuzenzians und des Kreuzenzian-Ameisenbläulings aufweisen.
In Amelunxen befindet sich ein Vorkommen des Grauen Langohr, einer sehr seltenen Fledermausart.
Die alte Bahntrasse von Holzminden nach Scherfede durchzieht das Gebiet in Richtung Warburger Börde. Die Trasse fungiert als Biotopverbund und ist Lebensraum von Schlingnatter, Ringelnatter und Zauneidechse.
Aus kulturhistorischer Sicht ist das über dem Wesertal gelegene Kloster Herstelle zu nennen.
Im Naturraum „Oberwälder Land“ liegen viele kleinflächige NSG und FFH-Gebiete sowie landesplanerisch gesicherte Gebiete zum Schutz der Natur (z. B. Stadtwald Brakel). Die größten sind die FFH-Gebiete “Hinnenburger Forst mit Emder Bachtal” und der “Stadtwald Brakel”. Mit der Nethe durchquert ein landesweit bedeutsamer Biotopverbundkorridor die Landschaft von West nach Ost und stellt den Kontakt mit dem länderübergreifenden Korridor der Weser her.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Oberwaelder Land
Die flachwellige, örtlich auch hügelige Landschaft des Steinheimer Bördebeckens bewegt sich zumeist in Höhenlagen zwischen 160 m und 220 m. Der geologische Untergrund besteht vorwiegend aus Ton- und Mergelsteinen mit eingeschalteten Sand-, Kalk- und Dolomitsteinen. Ein Großteil des Beckens ist von Lössablagerungen bedeckt, die vor allem im höher gelegenen, östlichen Beckenbereich flächenhaft größere Mächtigkeiten erreichen. Der größte Teil des Beckens wird daher ackerbaulich genutzt.
Das Oberflächengewässersystem wird von der Emmer und ihren Nebenbächen bestimmt. Die hier liegenden Grünland-Talsysteme sind als FFH-Gebiete und/oder Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Die in weiten Bereichen tief ins Gelände eingeschnittene Emmer fließt in nordöstlicher Richtung der Weser zu. Lediglich im Südosten entwässert die bei Großenbreden entspringende Brucht in südlicher Richtung über die Nethe in die Weser.
Die intensiv ackerbaulich genutzten Flächen weisen kaum noch Gehölzstrukturen oder Säume als gliedernde Elemente auf. Der Nieheimer Raum weist einen höheren Grünlandanteil auf und ist stärker durch Gehölze strukturiert. Hier finden sich ausgedehntere, reichhaltig durch (Flecht-) Hecken (als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet), Baumreihen und Kopfweiden durchsetzte Grünlandkomplexe mit mehr oder minder hohem Ackeranteil. Besonders gut ist die traditionelle Kulturlandschaft westlich und östlich von Nieheim und am Lattberg bei Entrup erhalten. Das gleiche gilt für die Gemarkung Ottenhausen, wo ein vorbildlicher Biotopverbund geschaffen wurde und die Streuobstwiesen bestens gepflegt werden.

Bellenberg, Blick auf Ottenhausen – Foto: Anja Multhaup
Vorherrschende Waldgesellschaft ist natürlicherweise der Flattergras-Buchenwald. Größere Waldbestände sind selten. Das Steinheimer Holz ist mit seinem hohem Laubwaldanteil das größte Waldgebiet im Landschaftsraum. Die übrigen kleineren Waldflächen werden zum Teil durch Eichen oder Fichten geprägt. Die Fichtenbestände sind jedoch Großteils abgängig.
Die Dörfer sind oftmals noch von Grünland und Obstwiesen umgeben und weisen z. T. in den Gemarkungen Teiche und teils wassergefüllte Mergelkuhlen sowie kleine Steinbrüche auf, die zusammen mit den Kleingewässern insbesondere in der Beberaue und am Steinheimer Holz wichtige Refugien für Amphibien (u. a. Laubfrosch), Libellen und anderen aquatische Organismen darstellen.
Das Steinheimer Becken ist Siedlungsschwerpunkt der Saatkrähe im Kreis Höxter.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Steinheimer Boerdebecken
Der Süden des Kreises Höxter wird von einer weiten, flachwelligen, zum großen Teil mit Löss bedeckten Börde in Höhenlagen von etwa 200 bis 300 m ü. NN. dominiert. Im West- und Süd-Teil ist das Ausgangsgestein Muschelkalk, ansonsten besteht es aus Keupertonen. Die ertragreichen, z.T. schwarzerdeartigen Lößböden werden mit wenigen Ausnahmen schon seit Jahrtausenden ackerbaulich genutzt. Die heute überwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Feldfluren weisen kaum noch Gehölzstrukturen oder Säume als gliedernde Elemente auf.

Getreidemahd Warburger Börde – Foto: Dr. Burkhard Beinlich
Die weiträumige, offene Feldflur hat für einige seltene Offenlandbewohner aber ihren Reiz – so werden die weiten Ackerfluren immer wieder von Wiesen- und Rohrweihen als Brutplatz aufgesucht. Die Landschaft wird durch zur Vernässung neigende Täler durchzogen. Die Feuchtgebiete sind bedeutende Lebensräume und Rastgebiete für Vögel der Feuchtgebiete (Wiesenpieper, Schwarz- und Braunkehlchen, Wiesen- und Rohrweihe, Bekassine, Sumpfohreule, Kiebitze, Kraniche u. a.m.).
Aus der Börde ragen einzelne Basaltkuppen hervor (z. B. Hüssenberg, Desenberg), die von Halbtrockenrasen, Felsfluren und artenreichen Grünland bedeckt sind. Der Desenberg stellt eine Höhe von 345 m ü. NN die höchste Erhebung der Börde dar.
Im südlichen Teil durchfließt die Diemel die Börde. Sie hat sich rund 40 bis 60 m tief in den anstehenden Muschelkalk eingeschnittenen und bildet nach Norden steile Talhänge aus. Die Diemel ist westlich von Warburg stark begradigt und naturfern ausgebaut. Auf einem Teilabschnitt bei Germete wurde sie vor wenigen Jahren renaturiert.

Diemelrenaturierung bei Warburg – Foto: Anja Multhaup
Artenreiche Kalkscherbenäcker, die zu den 100 besterhalten Äckern Deutschlands zählen, sind am Rabensberg und am Weldaer Berg zu finden. Diese Bereiche bieten den stark gefährdeten Rebhühnern ein der wenigen Rückzugsgebiete im Kreis.
In den letzten Jahren haben sich Weißstorch und Biber im Naturraum wieder angesiedelt.
Größere Waldstandorte finden sich im Osten im Bereich von Bühne. Insgesamt ist die Börde jedoch waldarm und insbesondere im Süd-Teil der Börde aufgrund der geringen Niederschläge (< 700 mm/a) gewässerarm. Als größere Gewässer sind die Eder und Eggel zu nennen.
Im Südwesten schließen an die Börde die Diemel-Platten als weiterer Naturraum an, welche westlich durch die Buntsandstein-Berge des Warburger Waldes und Waldecker Berglandes sowie nach Osten flussabwärts durch die Warburger Muschelkalkplatten begrenzt wird. Nach Norden und Süden geht das Becken ohne scharfe Grenze in eine flachwellige, sanft ansteigende Hügellandschaften über.
Als bedeutende Waldbestände sind dort der Asseler Wald (mit seinen Orchideen- und Türkenbund-Vorkommen), der Iberg bei Welda, das Schalkstal und der Hoppen- und Mittelberg zu nennen.
Die Diemel durchquert als landesweit bedeutsamer Biotopverbundkorridor die Landschaft, die zudem noch in Kontakt mit dem länderübergreifenden Korridor der Weser ist.
Text-Dowload als pdf-Dokument hier: Naturräume HX – Warburger und Borgentricher Boerde









